Die Gründungen vieler Edelknaben-Corps im Kreis Neuss begannen meist Anfang der 20er Jahre mit dem Hintergrund, das aktive Schützenregiment mit Nachwuchsschützen zu versorgen. In Delrath hatten die Gründungsväter des Vereins erst relativ spät erkannt, wie wichtig aktive Jugendarbeit zum Überleben der Gemeinschaft ist.

Am 18. Juni 1955 verkündete der amtierende Oberst Peter Klasen die Gründung des Delrather Edelknaben-Corps. Für viele der heutigen Fünfzig- bis Sechzigjährigen ist Oberst Peter Klasen noch in bleibender Erinnerung. Da an der Spitze eines Corps ein Major steht, nannte man den männlichen Betreuer „Edelknabenmajor“. Der Edelknabenmajor vertritt die Interessen des Corps und hat einen ständigen Sitz im Vorstandsgremium. Erster Edelknabenmajor war Ladislaus Gruss (genannt Laddi), Zugführer war Josef Hoffmann. Beide hatten Zucht und Ordnung in ihrer Truppe. Die Stärke der Gruppe betrug 12 Jungen. Um Edelknabe zu werden, musste der Vater aktiver Schütze sein

Edelknabenmajor Ladislaus Gruss legte großen Wert auf Sauberkeit und adrettes Auftreten. Seinen Argusaugen entging nichts, und hatte er einen Fleck entdeckt oder die weißen Kniestrümpfe waren an den Fußknöcheln von den schwarzen Schuhen beschmutzt, wurde der Kandidat zum Umziehen Richtung Heimat geschickt. Erster Edelknabenkönig wurde Hans-Peter Heups. 1957 weilte Ladislaus Gruss in Kur; er wurde vertreten von Johann Müller (Müllisch Hennes).

Mitmachen wollten viele Delrather Jungen, und somit waren die altersbedingt frei werdenden Plätze heiß umkämpft. Auf Grund der großen Nachfrage entschloss sich 1960 der Vorstand, die Mannschaft auf 14 Jungen zu erhöhen. Auch diese Maßnahme war nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber die finanziellen Möglichkeiten des Vereins waren eben begrenzt.

Vor dem Schützenfest 1961 trat Ladislaus Gruss aus gesundheitlichen Gründen zurück, neuer Edelknabenmajor wurde Robert Boßbach. Unter seiner Regie trat das Edelknaben-Corps mit rot-weiß gekränzten Fackelstöcken (als Gewehrersatz) auf. Nach dem Schützenfest 1961 wurde Robert Boßbach durch die Generalversammlung abgewählt. Diese Abwahl hatte einen Hintergrund: Wie bis dahin üblich, zog das Regiment zur Parade Richtung Zinkhütte. An der Zinkhütte wurden die Schützen von ihren „Gastfamilien“ empfangen und fürstlich mit Speis und Trank versorgt. Die älteren Edelknaben machten sich auch auf den Weg, um etwas Flüssiges zu erhaschen und wurden bei Michael Zaum auch fündig. Dort wurde versteckt an den Bierflaschen „genüggelt“. Wie es in der damaligen Zeit üblich war, wurde in der Schule über die Festaktivitäten gesprochen und Aufsätze geschrieben, z. B. „Wie erlebte ich das Delrather Schützenfest“. Ehrlich wie wir waren, schrieben wir auch unser Erlebtes nieder und hatten die Rechnung ohne den Hauptlehrer Bernhard Bendick (BB) gemacht. Nach Durchsicht der Aufsätze informierte er unverzüglich die Vereinsspitze, was zur Folge hatte, dass Robert Boßbach durch unser ungewolltes Verschulden abgewählt wurde. Sein Nachfolger wurde Paul Zohren.

Neben dem Schützenfest war der Namenstag der amtierenden Königin der zweithöchste Feiertag, und die Mannschaft rückte dann komplett an. In dieser Zeit war Kuchen etwas nicht Alltägliches, und so wurden wahre Kuchenmassen verspeist. 14 Stücke waren keine Seltenheit und wurden bei Königin Annchen Raukes vertilgt. Im Jahre 1961 regierte Königin Gertrud (Trautchen) Jakobs. Vorgewarnt vergrößerte sie die Kuchenstücke, was zur Folge hatte, dass die gegessene Stückzahl gesenkt wurde, die vertilgte Kuchenmasse aber gleich geblieben war. Dieser Brauch wird in der heutigen Zeit auf Grund der großen Anzahl von Edelknaben nicht mehr ausgeübt.

Im Jahre 1964 wurde vom Vorstand eine Fahrt nach Schloss Burg organisiert. 1965 trat Paul Zohren zurück. Neuer Edelknabenbetreuer – der Titel Major wurde nicht mehr verwendet - wurde Toni Haas.

1968 wurde die begrenzte Personenzahl für das Edelknaben-Corps aufgehoben und somit war allen Delrather Jungen die Möglichkeit gegeben, aktiv im Edelknaben-Corps mitzuwirken.

Toni Haas, gleichzeitig 2. Schriftführer und Oberstadjutant, gab wegen Überlastung sein Amt ab. Neuer Edelknabenführer wurde 1973 Werner Krücker. Nach fünfjähriger Amtszeit gab Werner Krücker sein Amt ab, sein Nachfolger wurde Willi Busch. Für das 25. Jubiläum des Edelknaben-Corps stiftete Willi Busch eine neue Fahne.

Wegen schwerer Erkrankung von Willi Busch übernahm im Jahre 1980 Hans-Dieter Longerich - als 2. Vereinsvorsitzender frisch gewählt – kommissarisch die Leitung des Edelknaben-Corps. In der Kürze der Zeit bis zum Schützenfest war es jedoch nicht möglich, die auf sieben Jungen reduzierte Mannschaft neu und nach den Regeln des Bürgerschützenvereins aufzubauen. Somit wurde alles, was laufen konnte, eingekleidet und - selbst fünfjährige „Pampersrocker“ – mitgenommen.

Im Jahre 1981 stellte sich Willi von der Weiden zur Wahl und wurde neuer Betreuer. Er führte in seiner Amtszeit das bis heute noch durchgeführte Ostereierschießen der Edelknaben und die Weihnachtsfeier ein.

In seine Amtszeit fällt auch eine Anekdote, die bis heute zum Schmunzeln verführt:

Pastor Peter Heitkamp von St. Michael Dormagen hielt die heilige Messe für die Lebenden und Verstorbenen des St. Hubertus Bürgerschützenvereins. Während seiner Predigt erhitzten sich die Gemüter zweier Edelknaben und es kam zu einem Zweikampf. Pastor Heitkamp unterbrach seine Predigt mit den Worten: „Ich habe ja in meinem langen Priesterleben viel erlebt, aber ein Boxkampf live in der Kirche ist mir neu“.

Am 12. Oktober 1984 trat Willi von der Weiden zurück. Am 24. Mai 1985 wurde Willi Schmidt zum neuen Edelknabenbetreuer ernannt. Unter Willi Schmidt, einem Edelknabenführer mit „Herz und Schnauze“, außen robust und weich im Kern, schnellte die Mannschaftsstärke in bis dahin nie gekannte Größenordnungen. Er entwickelte gemeinsam mit den Eltern Aktivitäten zu Gunsten der Edelknaben und ihrer Kasse. Ob als Hoppeditz oder durch andere Aktivitäten - für seine „Jonges“ war ihm kein Weg zu weit und keine Arbeit zu schwer. Die amtierende Majestät Fritz Breuer stiftete 1989 ein Königszepter für den Edelknabenkönig. Die Ära von Willi Schmidt endete am 31. Dezember 1989.

Am 1. Januar 1990 übernahm der bisherige 2. Edelknabenführer Fritz Breuer das Kommando bis zum 26. Juli 1991. In seine Fußstapfen trat Rolf Daverzhofen. Edelknabenkönig Tobias Eichelbaum stiftete zum Schützenfest 1991 eine Königstafel für das Edelknaben-Corps.

Rolf Daverzhofen und Heinz-Dieter Reichert führten mit den Eltern das Edelknabenbiwak auf dem Schulhof der Henri-Dunant-Schule ein.

Am 10. November 1995 trat Rolf Daverzhofen vom Amt des Edelknabenführers zurück und Willi Schmidt übernahm zum zweiten Male die Geschäfte des Edelknaben-Corps. Ohne größere Aktivitäten entwickelte er Maßnahmen zur Aufstockung der Corpskasse.

Unter seiner Regie erfolgte auch die Weitergabe der Jungen an die Bogenschützenabteilung, wenn sie aus dem Edelknaben-Corps ausschieden. Dieses geschieht auf der Versammlung vor der Weihnachtsfeier, auf der auch der Zugführer, der Fahnenträger und der Feldwebel gewählt werden. Diese Maßnahme hat sich für die Jugendarbeit sehr gut bewährt.

Am 24. August 1997 startete die „Rasselbande“ mit einigen Betreuern zur Westernstadt Fort-Fun ins schöne Sauerland. Wohlbehalten, aber mit müden Betreuern kam die Truppe spätabends in Delrath wieder an.

Aus familiären Gründen gab Willi Schmidt am 2. Oktober 1998 sein Amt wieder ab. Zu seinem Nachfolger wurde Josef Saosirnyj ernannt.

Seit Dezember 2002 betreut unsere Schützenmajestät des Jahres 2001/2002 und 2010/2011, Toni Koukola, unsere jüngsten Schützen. Seit 2004 steht ihm Peter Bergermann dabei zur Seite.

Doch diese Ära geht nun im Jahr 2013 zu Ende. Toni und seine Frau Marlies wollen etwas kürzer treten und geben dieses Amt nach 12 erfolgreichen Jahren ab. Auf der GV im November 2013 muss ein neuer Betreuer gewählt werden. Der BSV Delrath bedankt sich bei den Beiden und bei Peter Bergermann für die tolle Arbeit.

Zur Zeit führt Peter Bergermann die Edelknaben kommisarisch. Er wird unterstützt von Martina Koesling.