„Erstmals im neuerbauten Saal Schlüter feierte der vor wenigen Wochen gegründete Bürgerschützenverein in Delrath ein Schützenfest“. Das ist die erste Pressemeldung in der Neuß-Grevenbroicher-Zeitung (NGZ) vom 17. September 1926 über unseren Verein.

In der Folge wollen die Chronisten aufzeichnen, was ihrer Meinung nach wesentlich und wert ist, für die Zukunft festgehalten zu werden.
An einem Sonntagmorgen im Mai 1926 trafen sich nach dem Kirchgang zum Frühschoppen und Kegeln in der Gaststätte Schlüter (heutige Gaststätte „Zum Ännchen“) folgende Herren: Johann Bongartz, Georg Dappen, Wilhelm Dohmen, Heinrich Freyenberg, Julius Feuerstark, Jacob Grief, Alwis Hennes, Hermann Jussenhofen, Peter Klasen, August Kollenbroich, Johann Kluth, Lorenz Thuir, Jacob Thielen, Fritz Volkert, Michael Zaum.
Wer von Ihnen als erster den Gedanken hatte, einen Heimat- und Schützenverein zu gründen, konnte nicht mehr mit Sicherheit festgestellt werden. Jedenfalls wurde man sich einig, in Delrath einen Schützenverein ins Leben zu rufen.
Herr August Kollenbroich, bekannt als „Gasse August“, war dann derjenige, der im Ort von Haus zu Haus ging und den Bürgern das Vorhaben mitteilte und gleichzeitig zu der an einem Sonntag im Juni stattfindenden Gründungsversammlung in der Gaststätte Linnartz (Gaststätte an der Ecke Johannesstraße/Gabrielstraße, die zum 31. Dezember 1995 geschlossen wurde) einlud. Das Interesse an der Vereinsgründung muss groß gewesen sein. Wie anders wäre es zu erklären, dass von ca. 350 bis 400 Einwohnern der damaligen Ortschaft Delrath ca. 50 Bürger und Bürgersöhne am erstem Schützenfest aktiv teilnahmen.

Wenn man bedenkt, dass zwischen Gründung und erstem Fest nur knapp drei Monate Zeit für die Ausrichtung desselben lagen, so zeugt das von einem gut funktionierenden Vorstand, der bei der Gründungsversammlung gewählt wurde und aus den Herren Wilhelm Dohmen (1. Vorsitzender), Lorenz Thuir (1. Kassie­rer), Bernhard Hausmann (1. Schriftführer) und Wilhelm Schmitz (2. Schriftführer) bestand. Versammlungsleiter dieser Gründungsversammlung war Herr Jacob Thielen.

An dieser Stelle sei es den Chronisten erlaubt anzumerken, dass der Bürgerschützenverein nicht der erste Verein war, der in Delrath Heimatfeste abhielt. Vielmehr gab es bis 1924 - das Gründungsjahr war nicht mehr festzustellen - eine Kirmesgesellschaft, deren letzter Vorsitzender Heinrich Edelhausen war. Diese Gesellschaft ermittelte ihren König durch Hahneköppen. Der letzte Hahnekönig war Heinrich Freyenberg, auch „Ziemes Henrich“ genannt. Warum die Kirmesgesellschaft aufhörte zu bestehen, war nicht mehr zu erfahren.

1925 taten sich ca. 20 Bürger zusammen und bildeten eine Scheibenschützengesellschaft, die im gleichen Jahre in einem Festzelt, welches auf dem Gelände der heutigen Kirche stand, ein Heimatfest abhielt.

Deren König, der durch Schießen ermittelt wurde, war Wilhelm Zohren. Den Aus­schank im Zelt hatte der Delrather Gastwirt Heinrich Linnartz. Als nach Beendigung des Festes die Finanzen geprüft wurden, war ein Minus von 198 Reichsmark zu verzeichnen. Dieser Betrag wurde dann der Stein des Anstoßes und führte zum Erliegen dieser Gesellschaft. Die 198 Reichsmark Defizit wurden vom vorgenannten Gastwirt gedeckt.

Bevor wir zu unserem Vereinsgeschehen zurückkehren, welches wir mit dem Bericht über das erste Schützenfest in Delrath fortsetzen wollen, sei noch er­wähnt, dass im Jahre der Vereinsgründung der Rat der Gemeinde Nievenheim den Bau der Delrather Schule für 110 Kinder beschloss.

Unter großer Teilnahme der Delrather Bürger zog das Regiment, welches aus einem Sappeurzug (14 Mann), einem Grenadierzug (9 Mann) und drei Jäger­zügen (25 Mann) sowie einem Reitercorps (12 Mann) bestand, wie heute in Delrath noch üblich, sauber und ordentlich uniformiert durch den Ort. Die Uniformen wurden zum größten Teil bei einer Kölner Firma entliehen.

Die Regimentsführung bildeten 1926 Oberst Hermann Teusch oder auch „A. Engels“, Adjutant Jacob Thielen und Major Adolf Pröpper. Die Zugführer waren Josef Püllen (Sappeure), Peter Klasen (Grenadiere), Alwis Hennes, Hermann Jussenhofen sowie Peter Münch (Jäger), außerdem Leo Faust als Führer des Reitercorps. Gefeiert wurde in dem neu erbauten und bei dieser Gelegenheit eingeweihten Saal „Schlüter“.

Der Kirchgang des Regiments am Sonntagmorgen führte ebenso wie die Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal nach Nievenheim. Kirche und Denkmal waren in Delrath noch nicht vorhanden. Der damalige Bürgermeister Rahmen ließ es sich nicht nehmen, an diesem ersten Schützenfest teilzunehmen.

Die Königswürde des ersten Schützen­königs in Delrath konnte am Schützenfest­montag Josef Lesmeister erringen. Zum Ausklang des Heimatfestes fand am Dienstagabend im Rahmen eines Krö­nungsballes im Saal Schlüter die Krönung statt.

Über den finanziellen Ausgang dieses Festes ist bekannt, dass der Überschuss 86,60 Reichsmark betrug. In diesem Zusammenhang ist es wohl interessant zu erfahren, dass der Jahresbeitrag für aktive Schützen einschließlich Damenkarte 3 Reichsmark ausmachte.

Nachdem das erste Fest zu aller Zufriedenheit vorbei war, kehrte der Schützenalltag zurück. Man ging an den Ausbau und die Vergrößerung des Vereins. Oberst Hermann Teusch, der die Meinung vertrat, zu einem Verein gehört auch eine Fahne, und den Schützen auf einer Versammlung eine entsprechende Zusage gemacht hatte, machte sich an die Verwirklichung seines Vorhabens. Er klopfte an die Türen der wohlhabenden Mitbürger, um Spenden für die Fahne zu erbitten. Tatsächlich fand er Freunde und Gönner, die den benötigten Betrag aufbrachten.

In der Presse konnte man dann lesen, dass zum Schützenfest 1927 die Vereinsfahne von Pfarrer Knor geweiht wurde. Dieses war dann die Gründung der Regiments­fahnenkompanie, die bis heute in der Uniform von Grenadieroffizieren aufmarschiert.

Mit dem ersten Schützenkönig Josef Lesmeister hatte der Verein scheinbar kein Glück, denn er stand dem Verein zum Schützenfest 1927 nicht zur Verfügung - der Grund ist nicht bekannt. Das war der Grund dafür, dass man 1927, einen Sonntag vor dem Schützenfest, das Königsvogelschießen abhielt. Der Beginn des Schießens, das in Abwesenheit des Obersten von Major Pröpper geleitet wurde, war um 14.30 Uhr. Gegen 19.15 Uhr holte der Zugführer Hermann Jussenhofen den Rumpf des Vogels von der Stange. Der neue König wurde von den Schützen zum Saal Hilgers (heutige Gaststätte „Zur Schranke“) geleitet. Nicht nur hier, sondern auch im Saal Schlüter sowie in der Gaststätte Linnartz wurde zünftig gefeiert. Zu diesem Zeitpunkt war bereits ein neugewählter Vorstand tätig. Er bestand aus den Herren Mathias Schmitz (1. Vorsitzender), Heinrich Wünsch (1. Kassierer), Konrad Engels (Schrift­führer), Josef Zimmermann (2. Vorsitzender) und Wilhelm Brauers (2. Kassierer). Beisitzer waren Anton van Houtte und Albert Nacken.

Zum Schützenfest, welches am 15. September 1927 stattfand, trat der Verein erstmals unter dem Namen St. Hubertus-Bürgerschützengesellschaft auf. Der Saal Schlüter konnte die Schützen und ihre Gäste nicht fassen, deshalb feierte man gleichzeitig auch im Saal Hilgers.

Hatte man bisher das Fest durch das Tambourcorps Stürzelberg angekündigt, so wurden 1928 zum Schützenfest erstmals neu angeschaffte Böller benutzt, um das Fest einzuschießen.

Ebenso neu war nach dem Fackelzug am Samstagabend das Abspielen des „Großen Zapfenstreiches“. Ausführende waren ein Tambourcorps aus Nievenheim und die Kapelle Rennefeld aus Neuss.

Josef Faßbender holte sich die Königswürde und wurde als Josef II. gekrönt.

Als am 10. Juni 1929 der Männergesangverein „Sangeslust Delrath“ seine Fahnenweihe hatte, nahm der Bürgerschützenverein selbstverständlich auch an dem damit verbundenen Umzug teil. Waren doch ein Teil der Gesangvereinsmitglieder gleichzeitig Mitglieder eines Grenadierzuges, welcher heute noch aktiv zum Regiment gehört.

In einer am 19. August 1929 im Saal Schlüter abgehaltenen Generalversammlung beschloss man, dass Bürger, die noch nicht 50 Jahre waren, sich dem Verein aber nicht anschließen wollten, Karten zu den Veranstaltungen während des Schützenfestes nur im Abonnement zum Preis von 15 Reichsmark erwerben konnten. Wer keine solche Karte erwarb, wurde zu den Veranstaltungen nicht zugelassen. Zu vermuten ist, dass mit dieser Maßnahme der Verein die Bürger zur Mitgliedschaft zwingen wollte. In der gleichen Versammlung wurde ein Kassenzug zusammengestellt. Im Archiv der NGZ fanden die Chronisten eine Anzeige des Delrather Schützenvereins in Plakatform, in welcher das vom 7. - 10. September 1929 stattfindende Schützenfest angekündigt wurde. Das Fest selbst soll nach Pressemeldungen ein prächtiges gewesen sein.

Gegenüber den Anfängen hatte sich das Regiment stark vergrößert. Erstmals wurden durch Oberst Hermann Teusch Beförderungen ausgesprochen. Schützen, die durch saubere Kleidung und ordentliches Auftreten auffielen, erhielten Orden. Für die Kinder des Ortes fand erstmals eine Kinderbelustigung statt. Als Höhe­punkt des Kinderfestes durfte sich jedes Kind an einer Glücksbude ein Geschenk abholen. Das Königsvogel­schießen, bei dem Jacob Grief die Königswürde errang, ging bis in die Dunkelheit. Bei der Krönung gab man ihm den Beinamen „Jacob, der Eiserne“.

Das Schützenfest 1930, bei welchem Fritz Hübinger Schützenkönig wurde, hatte wieder eine Bereicherung erfahren. Am Sonntagmorgen wurde ein Frühkonzert abgehalten.

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