Bereits 1925, so weiß die Chronik zum 50jährigen Delrather Schützenjubiläum zu berichten, taten sich 20 Delrather zusammen und bildeten eine Scheibenschützengesellschaft, die aber bereits nach Beendigung der ersten Festlichkeit wieder zum Erliegen kam.
Nach der Gründung des heutigen Delrather Bürgerschützenvereins sind Scheiben­schützen erst aus den 30er Jahren von Zeitzeugen überliefert. Das waren die bekannten Scheibenschützenzüge der „Hoffmänner“ und „Thuirs“. Diese Züge lebten aber nach dem Kriege nicht wieder auf. Erst 1957 wurde wieder eine Scheibenschützen-Fahnenkompanie ge­gründet. Diese konnte auch die aus den 30er Jahren stammende Scheibenschützenfahne wieder ausfindig machen. 1958 erfolgte die Gründung des 1. Scheibenschützenzuges. Heute stellen die Scheibenschützen zusammen mit der Scheibenschützen-Fahnenkompanie immerhin fünf Züge.
In ihrer Uniform, mit grauer Jacke zur schwarzen Hose und dem Schützenhut, wirken sie im Vergleich zu den anderen Corps recht zivil. Man kann eher von einer „Schützentracht“ als von einer Uniform sprechen. Sie tragen keine Waffen, jedoch Rangabzeichen und gegebenenfalls Orden.
Wer aber daraus schließen will, dass Scheibenschützen eine recht junge Gattung im Schützenwesen sind, hat weit verfehlt. Scheibenschützen blicken auf eine lange Tradition zurück. Im benachbarten Neuss wird bereits 1415 von Scheibenschützen berichtet. Sie sind dort sogar die älteste noch bestehende Schützengesellschaft.
Der eigentliche Ursprung dieser Scheibenschützengemeinschaft liegt also in der Zeit, als unsere Städte noch auf die Wehrhaftigkeit ihrer Bürger und der jungen Männer angewiesen waren. Deshalb marschieren auch bei einigen heimatlichen Scheibenschützenkompanien, zum Zeichen ihrer aus dem Mittelalter herkommenden Tradition, Bogenschützen in alter Tracht mit.
Bei dem Brückenschlag von der Zeit der nicht uniformierten, aber wehrhaften, Beschützern von Städten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, ist von einer Uniform nichts überliefert.
Auch eine Erhebung der Stadt Neuss aus dem Jahre 1871 macht deutlich, dass zwar eine recht mitgliederstarke Gesellschaft der Scheibenschützen bestand, diese aber Wert darauf legte, dass sie weder bewaffnet, noch uniformiert sei und Aufzüge mit Waffen nicht veranstalte. Wie die Scheibenschützen schließlich doch zu einheitlichen Uniform gefunden haben, lässt sich nur vermuten.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass im Jahre 1892 aus Anlass des Neusser Schützenfestes und des damit verbundenen Rheinischen Bundesschießens die Scheibenschützen zum ersten Male in einer einheitlichen Uniform bzw. Schützentracht mitmarschierten und zwar mit schwarzer Hose, grauer Jacke und Schützenhut.
In dieser Schützenuniform marschieren auch die Delrather Scheibenschützen auf. Auch sie tragen zwar traditionsgemäß kein Gewehr, gestehen aber - im Gegensatz zu einigen anderen heimatlichen Scheibenschützengesellschaften, den Chargierten einen Säbel zu.