Ursprung der Regimentsteile und deren Uniformen
von Günter Blank

Von Uniformen im allgemeinen und von Bürgerschützenuniformen im besonderen konnte in der Zeit, als die Bürger noch in Eid und Pflicht standen, allzeit ihre Stadt zu verteidigen und dem gemeinen Wohl zu dienen, natürlich noch keine Rede sein. Noch in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) waren Offiziere und Soldaten für das Beschaffen und Instandhalten ihrer Montur selbst verantwortlich.

Sie konnten sich völlig nach Belieben, Vermögen und persönlichem Geschmack kleiden. Es gab erste Versuche, sich durch besondere Kennzeichen für die jeweilige Kriegspartei auf dem Gefechtsfeld eindeutig erkennbar zu machen. So wurde es üblich, dass sich die Offiziere gleichfarbige Schärpen – die späteren Feldbinden - anlegten. Die Mannschaften begnügten sich damals noch mit Strohbüscheln, Laub- oder Tannenzweigen. Dies blieben jedoch Notbehelfe, denn im Schlachtgetümmel wurden solche Abzeichen in der Regel kaum beachtet.

Uniformen besaßen - bis auf einige Ausnahmen - lediglich die Söldnerheere, die nur zu aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen angeworben und da­nach wieder entlassen wurden und damit keine Bindung zum Landesherren oder dem Volk hatten. Erst mit der Einführung regulärer, auch im Frieden unter Waffen stehender Heere bzw. Regimenter in der Mitte des 17. Jahrhunderts begann die eigentliche Geschichte der Uniform, der einheitlichen militärischen Tracht.

Der Begriff „Uniform“ stammt aus dem Französischen mit lateinischem Ursprung und bedeutet wörtlich „eine Form“, also eine Einheitlichkeit innerhalb einer größeren Gruppe. Natürlich lassen sich Uniformen des 17. Jahrhunderts nicht mit den Husarenuniformen aus der Zeit Ende des 20. Jahrhunderts vergleichen. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts war es durch die neu entwickelten Färbetechniken möglich, größere Stückzahlen einheitlicher Uniformen zu fertigen.

Die uralte Schützentracht – Grau und Grün – lässt sich leicht erklären. War nämlich Grau und Grün bzw. Grauweiß seit alters her die Kleiderfarbe des gemeinen Volkes. Und aus diesem gemeinen Volk rekrutierten sich ja auch die Bürgerschützenvereine. Und so fanden diese Farben zwangsläufig ihren Niederschlag in der Schützentracht.

In der Zeit, als ständige Heere geschaffen wurden, die einkaserniert und eine systematische militärische Ausbildung erhielten, wurden die Schützengesellschaften aufgelöst oder zu reinen Vergnügungsgesellschaften umfunktioniert. Nach dem Vorbild der bestehenden Heere übernahmen diese Gesellschaften die militärischen Uniformen, Offiziersränge, Rangabzeichen, Orden und Ehrenzeichen.

Ob die Delrather Kirmesgesellschaft, die bis 1924 ihre Dorfkirmes veranstaltete und sogar jährlich einen Hahnenkönig ermittelte, schon uniformiert feierte, ist nicht überliefert. Auch die Delrather Scheibenschützengesellschaft, die allerdings nur ein Jahr existierte, war noch recht zivil. Doch beim ersten Umzug des neugegründeten Delrather Bürgerschützenvereins im Jahre 1926 marschierten bereits uniformierte Jäger, Grenadiere, Sappeure und ein Reitercorps mit. Sie betraten damit uniformmäßig kein Neuland, sondern passten sich lediglich dem bereits bestehenden heimatlichen Uniformenbrauch an und lagen voll im Spruch des Volksmundes: „Stramme, bürgerliche Grenadiere - noble Reiter - und junge, fröhliche Jäger, die Lieblinge des schönen Geschlechts.“

Einen Eindruck der Uniformvielfalt in den frühen Jahren des Delrather Bürgerschützenvereins präsentiert die Familie Longerich, wie die nachfolgende Abbildung aufzeigt.

Eine Besonderheit stellten auch die Schützenumzüge der Nachkriegsjahre dar: Obwohl die Militärregierung im Jahre 1948 wieder „grünes Licht“ für die Schützenvereine gegeben hatte, durfte der Aufmarsch des Schützenregiments nur in Zivil erfolgen.