Mobirise

Einblicke in die Jahre 1926 - 1950

„Erstmals im neuerbauten Saal Schlüter feierte der vor wenigen Wochen gegründete Bürgerschützenverein in Delrath ein Schützenfest“. Das ist die erste Pressemeldung in der Neuß- Grevenbroicher-Zeitung (NGZ) vom 17. September 1926 über unseren Verein. In der Folge wollen die Chronisten aufzeichnen, was ihrer Meinung nach wesentlich und wert ist, für die Zukunft festgehalten zu werden. An einem Sonntagmorgen im Mai 1926 trafen sich nach dem Kirchgang zum Frühschoppen und Kegeln in der Gaststätte Schlüter (heutige Gaststätte „Zum Ännchen“) folgende Herren: Johann Bongartz, Georg Dappen, Wilhelm Dohmen, Heinrich Freyenberg, Julius Feuerstark, Jacob Grief, Alwis Hennes, Hermann Jussenhofen, Peter Klasen, August Kollenbroich, Johann Kluth, Lorenz Thuir, Jacob Thielen, Fritz Volkert, Michael Zaum. Wer von Ihnen als erster den Gedanken hatte, einen Heimat- und Schützenverein zu gründen, konnte nicht mehr mit Sicherheit festgestellt werden. Jedenfalls wurde man sich einig, in Delrath einen Schützenverein ins Leben zu rufen. Herr August Kollenbroich, bekannt als „Gasse August“, war dann derjenige, der im Ort von Haus zu Haus ging und den Bürgern das Vorhaben mitteilte und gleichzeitig zu der an einem Sonntag im Juni stattfindenden Gründungsversammlung in der Gaststätte Linnartz (Gaststätte an der Ecke Johannesstraße/Gabrielstraße, die zum 31. Dezember 1995 geschlossen wurde) einlud. Das Interesse an der Vereinsgründung muss groß gewesen sein. Wie anders wäre es zu erklären, dass von ca. 350 bis 400 Einwohnern der damaligen Ortschaft Delrath ca. 50 Bürger und Bürgersöhne am erstem Schützenfest aktiv teilnahmen. Wenn man bedenkt, dass zwischen Gründung und erstem Fest nur knapp drei Monate Zeit für die Ausrichtung desselben lagen, so zeugt das von einem gut funktionierenden Vorstand, der bei der Gründungsversammlung gewählt wurde und aus den Herren Wilhelm Dohmen (1. Vorsitzender), Lorenz Thuir (1. Kassierer), Bernhard Hausmann (1. Schriftführer) und Wilhelm Schmitz (2. Schriftführer) bestand. Versammlungsleiter dieser Gründungsversammlung war Herr Jacob Thielen. An dieser Stelle sei es den Chronisten erlaubt anzumerken, dass der Bürgerschützenverein nicht der erste Verein war, der in Delrath Heimatfeste abhielt. Vielmehr gab es bis 1924 – das Gründungsjahr war nicht mehr festzustellen – eine Kirmesgesellschaft, deren letzter Vorsitzender Heinrich Edelhausen war. Diese Gesellschaft ermittelte ihren König durch Hahneköppen. Der letzte Hahnekönig war Heinrich Freyenberg, auch „Ziemes Henrich“ genannt. Warum die Kirmesgesellschaft aufhörte zu bestehen, war nicht mehr zu erfahren. 1925 taten sich ca. 20 Bürger zusammen und bildeten eine Scheibenschützengesellschaft, die im gleichen Jahre in einem Festzelt, welches auf dem Gelände der heutigen Kirche stand, ein Heimatfest abhielt. Deren König, der durch Schießen ermittelt wurde, war Wilhelm Zohren. Den Ausschank im Zelt hatte der Delrather Gastwirt Heinrich Linnartz. Als nach Beendigung des Festes die Finanzen geprüft wurden, war ein Minus von 198 Reichsmark zu verzeichnen. Dieser Betrag wurde dann der Stein des Anstoßes und führte zum Erliegen dieser Gesellschaft. Die 198 Reichsmark Defizit wurden vom vorgenannten Gastwirt gedeckt. Bevor wir zu unserem Vereinsgeschehen zurückkehren, welches wir mit dem Bericht über das erste Schützenfest in Delrath fortsetzen wollen, sei noch erwähnt, dass im Jahre der Vereinsgründung der Rat der Gemeinde Nievenheim den Bau der Delrather Schule für 110 Kinder beschloss. Unter großer Teilnahme der Delrather Bürger zog das Regiment, welches aus einem Sappeurzug (14 Mann), einem Grenadierzug (9 Mann) und drei Jägerzügen (25 Mann) sowie einem Reitercorps (12 Mann) bestand, wie heute in Delrath noch üblich, sauber und ordentlich uniformiert durch den Ort. Die Uniformen wurden zum größten Teil bei einer Kölner Firma entliehen. Die Regimentsführung bildeten 1926 Oberst Hermann Teusch oder auch „A. Engels“, Adjutant Jacob Thielen und Major Adolf Pröpper. Die Zugführer waren Josef Püllen (Sappeure), Peter Klasen (Grenadiere), Alwis Hennes, Hermann Jussenhofen sowie Peter Münch (Jäger), außerdem Leo Faust als Führer des Reitercorps. Gefeiert wurde in dem neu erbauten und bei dieser Gelegenheit eingeweihten Saal „Schlüter“. Der Kirchgang des Regiments am Sonntagmorgen führte ebenso wie die Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal nach Nievenheim. Kirche und Denkmal waren in Delrath noch nicht vorhanden. Der damalige Bürgermeister Rahmen ließ es sich nicht nehmen, an diesem ersten Schützenfest teilzunehmen. Die Königswürde des ersten Schützenkönigs in Delrath konnte am Schützenfestmontag Josef Lesmeister erringen. Zum Ausklang des Heimatfestes fand am Dienstagabend im Rahmen eines Krönungsballes im Saal Schlüter die Krönung statt. Über den finanziellen Ausgang dieses Festes ist bekannt, dass der Überschuss 86,60 Reichsmark betrug. In diesem Zusammenhang ist es wohl interessant zu erfahren, dass der Jahresbeitrag für aktive Schützen einschließlich Damenkarte 3 Reichsmark ausmachte. Nachdem das erste Fest zu aller Zufriedenheit vorbei war, kehrte der Schützenalltag zurück. Man ging an den Ausbau und die Vergrößerung des Vereins. Oberst Hermann Teusch, der die Meinung vertrat, zu einem Verein gehört auch eine Fahne, und den Schützen auf einer Versammlung eine entsprechende Zusage gemacht hatte, machte sich an die Verwirklichung seines Vorhabens. Er klopfte an die Türen der wohlhabenden Mitbürger, um Spenden für die Fahne zu erbitten. Tatsächlich fand er Freunde und Gönner, die den benötigten Betrag aufbrachten. In der Presse konnte man dann lesen, dass zum Schützenfest 1927 die Vereinsfahne von Pfarrer Knor geweiht wurde. Dieses war dann die Gründung der Regimentsfahnenkompanie, die bis heute in der Uniform von Grenadieroffizieren aufmarschiert. Mit dem ersten Schützenkönig Josef Lesmeister hatte der Verein scheinbar kein Glück, denn er stand dem Verein zum Schützenfest 1927 nicht zur Verfügung – der Grund ist nicht bekannt. Das war der Grund dafür, dass man 1927, einen Sonntag vor dem Schützenfest, das Königsvogelschießen abhielt. Der Beginn des Schießens, das in Abwesenheit des Obersten von Major Pröpper geleitet wurde, war um 14.30 Uhr. Gegen 19.15 Uhr holte der Zugführer Hermann Jussenhofen den Rumpf des Vogels von der Stange. Der neue König wurde von den Schützen zum Saal Hilgers (heutige Gaststätte „Zur Schranke“) geleitet. Nicht nur hier, sondern auch im Saal Schlüter sowie in der Gaststätte Linnartz wurde zünftig gefeiert. Zu diesem Zeitpunkt war bereits ein neugewählter Vorstand tätig. Er bestand aus den Herren Mathias Schmitz (1. Vorsitzender), Heinrich Wünsch (1. Kassierer), Konrad Engels (Schriftführer), Josef Zimmermann (2. Vorsitzender) und Wilhelm Brauers (2. Kassierer). Beisitzer waren Anton van Houtte und Albert Nacken. Zum Schützenfest, welches am 15. September 1927 stattfand, trat der Verein erstmals unter dem Namen St. Hubertus-Bürgerschützengesellschaft auf. Der Saal Schlüter konnte die Schützen und ihre Gäste nicht fassen, deshalb feierte man gleichzeitig auch im Saal Hilgers. Hatte man bisher das Fest durch das Tambourcorps Stürzelberg angekündigt, so wurden 1928 zum Schützenfest erstmals neu angeschaffte Böller benutzt, um das Fest einzuschießen. Ebenso neu war nach dem Fackelzug am Samstagabend das Abspielen des „Großen Zapfenstreiches“. Ausführende waren ein Tambourcorps aus Nievenheim und die Kapelle Rennefeld aus Neuss. Josef Faßbender holte sich die Königswürde und wurde als Josef II. gekrönt. Als am 10. Juni 1929 der Männergesangverein „Sangeslust Delrath“ seine Fahnenweihe hatte, nahm der Bürgerschützenverein selbstverständlich auch an dem damit verbundenen Umzug teil. Waren doch ein Teil der Gesangvereinsmitglieder gleichzeitig Mitglieder eines Grenadierzuges, welcher heute noch aktiv zum Regiment gehört. In einer am 19. August 1929 im Saal Schlüter abgehaltenen Generalversammlung beschloss man, dass Bürger, die noch nicht 50 Jahre waren, sich dem Verein aber nicht anschließen wollten, Karten zu den Veranstaltungen während des Schützenfestes nur im Abonnement zum Preis von 15 Reichsmark erwerben konnten. Wer keine solche Karte erwarb, wurde zu den Veranstaltungen nicht zugelassen. Zu vermuten ist, dass mit dieser Maßnahme der Verein die Bürger zur Mitgliedschaft zwingen wollte. In der gleichen Versammlung wurde ein Kassenzug zusammengestellt. Im Archiv der NGZ fanden die Chronisten eine Anzeige des Delrather Schützenvereins in Plakatform, in welcher das vom 7. – 10. September 1929 stattfindende Schützenfest angekündigt wurde. Das Fest selbst soll nach Pressemeldungen ein prächtiges gewesen sein. Gegenüber den Anfängen hatte sich das Regiment stark vergrößert. Erstmals wurden durch Oberst Hermann Teusch Beförderungen ausgesprochen. Schützen, die durch saubere Kleidung und ordentliches Auftreten auffielen, erhielten Orden. Für die Kinder des Ortes fand erstmals eine Kinderbelustigung statt. Als Höhepunkt des Kinderfestes durfte sich jedes Kind an einer Glücksbude ein Geschenk abholen. Das Königsvogelschießen, bei dem Jacob Grief die Königswürde errang, ging bis in die Dunkelheit. Bei der Krönung gab man ihm den Beinamen „Jacob, der Eiserne“. Das Schützenfest 1930, bei welchem Fritz Hübinger Schützenkönig wurde, hatte wieder eine Bereicherung erfahren. Am Sonntagmorgen wurde ein Frühkonzert abgehalten.


Am 10. September 1931 – Arthur Bützler hatte mittlerweile den Vorsitz des Vereins übernommen – forderte der Vorstand in einem Aufruf in der NGZ alle Bürger zur aktiven Mitgliedschaft auf. Ebenso wurde um Beflaggen der Häuser für das „Dorffamilienfest“ gebeten. Bei dem eine Woche später abgehaltenen Schützenfest wurde Wilhelm Brauers Schützenkönig. Das Schützenfest 1932 war nicht wie sonst üblich mit gutem Wetter gesegnet. Es regnete unaufhörlich, und nur mit großem Glück konnte die Sonntagsparade durchgeführt werden. Am Montag besserte sich das Wetter, so dass das Vogelschießen normal verlaufen konnte. Schützenkönig wurde Jacob Thielen. Eine der dunkelsten Epochen der jüngeren deutschen Geschichte begann mit dem 30. Januar 1933. Reichspräsident Paul von Hindenburg berief Adolf Hitler, den Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) zum Reichskanzler. Die damit gegründete Diktatur, die alles im Staate kontrollierte, nahm auch Einfluss auf sämtliches Vereinsgeschehen. So musste auch der St. Hubertus Bürgerschützenverein sich den neuen Gegebenheiten anpassen. Von nun an bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges im Jahre 1939 musste der Vorstand des Vereins es sich gefallen lassen, dass bei den Versammlungen Beobachter der NSDAP anwesend waren. Ebenso nahm die Partei Einfluss auf die Wahl der Vorsitzenden. Ab 1934 musste der Vorstandsvorsitzende Parteimitglied sein. Der Vorsitzende durfte sich nicht mehr Präsident oder 1. Vorsitzender nennen, sondern Vereinsführer. Fahnen durften nur noch mit einem Hakenkreuzwimpel versehen während der Feste mitgeführt werden. Wegen seiner Mitgliedschaft im „Stahlhelm“ (zunächst ein Zusammenschluß von Soldaten des 1. Weltkrieges, ab 1924 auch von Nichtkriegsteilnehmern) musste 1934 der bis dahin amtierende Oberst Hermann Teusch, der für den Verein unermüdlich tätig war und auch viel in finanzieller Hinsicht getan hatte, abdanken. Sein Nachfolger wurde Wilhelm Longerich, der vielen als „Ames“ bekannt war. Hier sei erlaubt, einiges zur Person von „Ames“ Wilhelm auszusagen. Schnauzbärtig und kleinwüchsig ritt er immer das größte Pferd im Regiment. Um auf den Rücken des hohen Pferdes zu gelangen, bedurfte es einiger Vorbereitungen. Zunächst wurde das Hoftor geschlossen, um keine Zuschauer zu haben. Dann musste ein Stuhl als Leiter dienen, damit der Oberst aufsitzen konnte. Zum Schützenfest 1933 hatte der Vereinsführer Heinrich Wünsch mit seinem Vorstand als Ehrengäste u. a. Gauleiter Staatsrat Florian und Kreisleiter Erich Borger geladen. Oberst Hermann Teusch, Grenadiermajor Peter Klasen und Jägermajor Wilhelm Weber konnten den Herren ein sauberes Regiment vorführen. Waren es die widrigen Zeitumstände oder woran lag es, dass sich in diesem Jahre kein Bewerber für die Königswürde fand? Aus diesem Grund blieb Jacob Thielen Schützenkönig für das Jahr 1933/34. Dieses war und blieb bis heute das einzige Mal, dass ein Schützenkönig mangels eines Nachfolgers die Königswürde für ein weiteres Jahr übernahm. Das Jahr 1934 hätte schon das Ende des Delrather Bürgerschützenvereins sein können. Es sollte auf Weisung der Partei ein Zusammenschluss der Nievenheimer und Delrather Schützenvereine erfolgen. Einstimmig lehnten die Delrather Bürgerschützen dieses Ansinnen ab, mit dem Hinweis „Lieber geben wir jedes Vereinsleben auf“. Dass die Partei dieses akzeptierte und den Verein bestehen ließ, ist heute fast nicht vorstellbar. Bei wechselhaftem Wetter wurde das Schützenfest 1934, wie die Presse zu berichten wusste, ein sehr Stimmungsvolles. Das Königsvogelschießen, welches auf dem damaligen Sportplatz (Nähe Bahnhof) stattfand, fand kein frühes Ende. Es mussten Scheinwerfer aufgestellt werden, damit der Vogel von der Stange geholt werden konnte. Anton Neng war der Glückliche, dem der Königsschuss gelang. Da die Säle in Delrath dem mittlerweile stark vergrößerten Regiment und dessen Gästen nicht mehr genug Platz boten, wurde 1935 zum erstenmal in einem Zelt Schützenfest gefeiert. Wie man in der NGZ nachlesen kann, hat Delrath noch nie in einem derartigen Fahnenschmuck und Lichterglanz gestanden. Wie in den Jahren vorher wurde auch dieses Fest vom Tambourcorps Stürzelberg eröffnet. Während die Schützen am Sonntagmorgen beim Frühschoppen saßen, zogen die Garde- Grenadiere und Jäger zum Friedhof nach Nievenheim, um ihrer kurz vor dem Fest verstorbenen Kameraden zu gedenken. Die Garde-Grenadiere standen am Grabe ihres „Spieß“ Josef Borghartz, für den Oberst Wilhelm Longerich Worte des Gedenkens sprach und einen Kranz niederlegte. An den Gräbern der Jäger Wilhelm Wolters und Leo Hoube fand Leutnant Fritz Hübinger Worte des Gedenkens. Zum Trommelwirbel dröhnte eine Ehrensalve über die Gräber der verstorbenen Kameraden. Die Parade am Sonntagnachmittag nahmen bei strahlendem Sonnenschein neben dem König Anton I. und dem Vorstand die Ehrengäste Ortsgruppenleiter Tappertzhofen und Bürgermeister Michael Pflücken ab. Erstmalig wurde im Zelt am Schützenfestdienstagabend der am Montag ermittelte König Peter Stammen zur Schützenmajestät 1935/36 gekrönt. Interessant in diesem Zusammenhang ist nach Meinung der Chronisten, dass unmittelbar nach unserem Fest der Vorsitzende des Männergesangvereins „Sangeslust Delrath“ August Hermanns die Mitglieder zusammenrief, um das seit vier Jahren ruhende Vereinsleben wieder aufzunehmen. Im Jahre 1936 musste auf Anweisung der Partei der Vereinsführer Wilhelm Wünsch sein Amt niederlegen. Auf einer Generalversammlung wählte man den Grenadiermajor Peter Klasen zum Vereinsführer. Bevor Peter Klasen sein erstes Schützenfest als Vereinsführer abhalten konnte, wurde bekannt, dass auch er nicht Mitglied der NSDAP war. Wiederum sorgte die Partei für die Neubesetzung der Vereinsführung. Vereinsführer wurde Jacob Grief. Nicht beeinflussen konnte die Partei die Natur. So kann man in der NGZ nachlesen, dass in Delrath zum Schützenfest ein Fliederbaum, der im Frühjahr große duftende Blüten hatte, ein zweites Mal in Blütenpracht stand. Unter Führung des neuen Vereinsführers zog zum Schützenfest, welches ein wiederum vergrößertes Regiment sah, erstmals am Samstagabend der Fackelzug bis zur „Zinkhütte“. Ebenso fand am Montagnachmittag erstmals eine Königsparade an der Zinkhütte statt. Dieses wurde in den Festablauf der folgenden Jahre als fester Bestandteil eingebaut. Nicht für die heutige, sondern für spätere Generationen soll hier festgehalten werden, was die Delrather Bürger unter „Zinkhütte“ verstanden. Die Zinkhütte war ein am Silbersee gelegenes Hüttenwerk, ein Zweigwerk der Stolberger Zink AG. Für einen Teil der dort Beschäftigten war unmittelbar bei diesem Werk eine Wohnsiedlung gebaut. 1971 stellte die Zinkhütte Ihren Betrieb ein und wurde, wie auch die Siedlung, 1973 abgerissen. Lediglich vier Privathäuser blieben bis 1975 stehen. Anwohner dieser Siedlung waren Mitglieder des Vereins; das war der Grund für die Ausdehnung des Fackelzuges. Den Chronisten sei erlaubt, an dieser Stelle die Schließung der Zinkhütte als ein auch für den Verein verlustreiches Ereignis anzumerken. War dieses Industrie-unternehmen doch seit der Vereinsgründung ein großer Gönner, der nicht nur mit Sachspenden, sondern auch finanziell nicht kleinlich war. Wenn eingangs zum Jahre 1936 von einem wieder größeren Regiment gesprochen wurde, so ist es nicht verwunderlich, dass die Zinkhütter Kapelle Grün erstmalig mit zwei Musikzügen in Erscheinung trat. Weiter ist zu berichten, dass im Festzug zum ersten Male der über die Grenzen von Neuss hinaus bekannte Üdesheimer Fahnenschwenker Theo Hanemann mitwirkte. Nach Pressemeldungen in der NGZ sollen die Delrather Bürger und Schützen Herrn Hanemann mit Blumen und Applaus bedacht haben, wie er es vorher noch nirgends erlebte. Die Presse berichtet weiter, dass der Vereinsführer Jacob Grief mit dem Ehrenschuss, stellvertretend für den „Führer“ Adolf Hitler, das Königsvogelschießen eröffnete, bei dem der Landwirt Johann Raukes die Königswürde errang. Als am Dienstagabend das Regiment die neue Majestät mit dem Hofstaat an der Residenz abholte, erlebten die Mitglieder und die Zuschauer das erste Höhenfeuerwerk, welches in Delrath abgebrannt wurde. Konnten die Chronisten bis hierhin auf Berichte der NGZ zurückgreifen, so ändert sich dieses ab Oktober 1936. Die „Nazis“ erteilten ein Verbot für das weitere Erscheinen der Zeitung. Erst am 15. Oktober 1949, vier Jahre nach dem 2. Weltkrieg, nahm sie ihre Arbeit und ihr Erscheinen wieder auf. S. M. Johann I. mit dem Vereinsführer Jacob Grief und Oberst Longerich konnten zum Schützenfest 1937 mit einem sauberen Regiment durch den festlich geschmückten Ort ziehen. Ein in gewohnter Weise schönes und harmonisches Fest sah am Montag nach dem Königsvogelschießen einen strahlenden neuen König. Es war das Mitglied des Jägercorps Johann Ingermann, der am Dienstagabend als Johann II. gekrönt wurde. Auf der Generalversammlung nach dem Schützenfest wurde mit großer Mehrheit Josef Wirsch zum Vereinsführer gewählt. Um dieses Amt ausüben zu können, trat er in die NSDAP ein. Zum Dank dafür musste er nach dem Kriege, im Rahmen der Entnazifizierung, auf Weisung der Militärregierung, Aufräumungsarbeiten leisten. Vielleicht ist vielen bekannt, dass für Delrather die Familie Wirsch die „Hamäscher“ waren. Im Jahre 1938 wird nach längerer Unterbrechung in den Vereinsbüchern wieder eine Frühkirmes erwähnt. Hat man bis dahin für die Mitglieder jährlich ein Winterfest veranstaltet, so ließ man mit dieser Frühkirmes den ganzen Ort an einem weiteren Fest der Schützen teilnehmen. Der Vereinsvorstand und der Oberst waren weiterhin bemüht, den Verein zu vergrößern und immer neue Mitglieder zu werben sowie das Vereinsvermögen zu mehren. Auch im Jahre 1938 bereiteten die Bewohner Delraths den Schützen zum Fest einen festlich geschmückten Ort, durch den samstags der Fackelzug mit Großfackeln unter großer Beteiligung, auch der Bevölkerung der umliegenden Orte, zog. Der Sonntag mit Kirchgang, Gefallenenehrung und Parade vor König Johann II. und Vorstand sowie geladenen Ehrengästen bei gutem Wetter, fand seinen Abschluss mit dem Königsball. Die Königswürde holte sich beim Vogelschießen der damalige langjährige 1. Kassierer Bernhard Meuter. Er wurde als Bernhard I. proklamiert. Bernhard Meuter, bekannt als „Gasse Bernhard“, sollte als der König mit der ungewollt langen Regierungszeit von zehn Jahren in die Vereinsgeschichte eingehen. Der Grund dafür war der am 1. September 1939 – eine Woche vor dem Schützenfest, für welches die Vorbereitungen schon abgeschlossen waren – ausgebrochene 2. Weltkrieg. Anstatt mit dem Holzgewehr die Freuden eines Schützenfestes zu genießen, mussten einige Mitglieder schon mit dem Gewehr im Schützengraben für ihr Vaterland kämpfen. Das Vereinsleben kam vollständig zum Erliegen, was nicht heißt, dass eine Auflösung erfolgte. Wie an anderer Stelle zu lesen, haben gewisse Aktivitäten auch während der Kriegszeit nicht aufgehört. An dieser Stelle sei es den Chronisten erlaubt, eine Zwischenbilanz zu ziehen und gleichzeitig die Vereinsarbeit zu analysieren. Wie aus Vereinsbüchern und Gesprächen mit älteren Mitgliedern zu erfahren ist, hat der Verein nicht nur für die Mitglieder, sondern auch für die Bürger, insbesondere die Kinder der Ortschaft, immer ein offenes Ohr gehabt. Seit 1927 gehörte eine Kinderbelustigung auf Kosten des Vereins zum jährlichen Schützenfest. Am Schützenfestmontag konnten unter Aufsicht von Vereinsmitgliedern die Kinder des Ortes an Spielen wie Sackhüpfen, Eierlaufen etc. teilnehmen. Für die Sieger gab es Preise. Das von der Schule veranstaltete Martinsfest wurde vom Verein unterstützt. Die Musikkapelle bezahlte der Schützenverein. Sehr oft wurde der St. Martin von einem Chargierten des Vereins dargestellt. Eine Beteiligung an der Fronleichnamsprozession war selbstverständlich. Der Vereinsvorstand mit Schützenkönig und Vereinsfahnen gehörte immer dazu. Der Verein stellte eine Musikkapelle. Es fanden Sammlungen für die Verschönerung der Prozession unter den Schützen statt, die beachtliche Summen einbrachte. Ebenfalls stellte der Verein zum Volkstrauertag eine Abordnung und die Musikkapelle. Bei Goldhochzeiten innerhalb Delraths gehörte eine Abordnung des Vorstandes mit einem Geschenk zu den Gratulanten. Dieses gehört auch heute noch zu den Gepflogenheiten des Vereins. In den Kassenbüchern findet man immer wieder Eintragungen, die belegen, dass der Verein Spenden an Organisationen und andere Ortsvereine übergab. So erhielten der SSV Delrath und der Männergesangverein Delrath Spenden. Während des „Dritten Reiches“ wurden Spenden an das Winterhilfswerk, die NSDAP, die Sporthilfe und die Deutsche Arbeitsfront, sowie an die NS Frauenschaft gegeben. Zur Schulentlassungsfeier 1927 steuerte der Verein ebenfalls eine Spende bei. Ein ansehnlicher Betrag wurde auch für den Bau der heute noch bestehenden Delrather Pfarrkirche St. Gabriel übergeben. Wenn man im Kassenbuch von 1926 bis 1928 blättert, kann man viele interessante Dinge erfahren. So ist dokumentiert, dass ein Glas Bier 30 Pfennige kostete, die Königskutsche für zwei Tage 18 Reichsmark. Der König bekam als „Königssold“ 100 Reichsmark. Ein Tambourcorps spielte für 75 Reichsmark alle vier Tage. Die Eintrittspreise zu den Veranstaltungen betrugen 1 Reichsmark. Gäste, die keinen Eintritt zahlen konnten, mussten dann allerdings für jeden Tanz 10 Pfennige Tanzgeld zahlen. Bei Damenwahl war es üblich, dass der Tanzpartner 10 Pfennige entrichten musste. In der Pause zwischen zwei Tänzen gingen zwei Schützen mit dem Teller zu den Tanzpaaren, um dieses Geld zu kassieren. Der Verein musste für seine Veranstaltungen bei der Gemeinde neben der Genehmigung auch die Eintrittskarten erwerben. 30 % des Eintrittspreises musste als „Lustbarkeitsteuer“ an die Gemeinde abgeführt werden. Für ein Schützenfest betrugen die Musikkosten für Straße und Säle einschließlich Tambourcorps 570 Reichsmark. Die Königskette in echtem Silber musste mit 275 Reichsmark bezahlt werden. Dieser Betrag wurde aus Spenden der Delrather Geschäftswelt und Landwirte aufgebracht. Die Vereinsfahne, ebenfalls durch Spenden finanziert, kostete 500 Reichsmark. Das Ausleihen einer Uniform ohne Hose musste der Schütze mit 3 Reichsmark und der Chargierte mit 4 Reichsmark bezahlen. Die Berittenen im Regiment bekamen die Pferde von den ortsansässigen Landwirten zur Verfügung gestellt. Lieferant für Munition war von 1926 bis 1972 die Neusser Firma Händeler-Hammermann und für Orden von 1926 bis 1977 die Neusser Firma Bloemacher. Ebenfalls war seit 1926 bis lange nach dem 2. Weltkrieg das Tambourcoprs Stürzelberg ständig in Delrath vertreten. Eine gute, nachbarschaftliche Beziehung lag dieser Treue zu Grunde. Einige Spielleute und der Tambourmajor Andreas Heuser wurden vom Schützenverein für 25jährige Teilnahme am Delrather Fest geehrt. Überhaupt war die Stürzelberger Bruderschaft einer der Vereine, zu denen ein gutes und freundschaftliches Verhältnis bestand. Wenn wir nun in der Vereinsgeschichte fortfahren, so darf man die Kriegsjahre nicht einfach übergehen. So hat der Vereinsvorstand an Schützen, die als Soldat auf Heimaturlaub waren, kleine Beträge zur Aufbesserung des Soldes ausgezahlt. Der Vorstand und die in der Heimat verbliebenen Schützen nahmen an den kirchlichen und nationalen Gedenktagen mit Abordnungen teil. Eine Feier aus traurigem Anlass fand am 23. September 1944 statt. Veranstalter war die „Jäger-Kompagnie 1926 Delrath“ in Verbindung mit der NSDAP, die im Gedenken an die bis dahin für Volk und Vaterland gefallenen Kameraden der Jäger-Kompanie eine Heldengedenkfeier ausrichtete. [Anmerkung des Chronik-Teams: Die Gründung der Jägerkompanie erfolgte erst im Jahre 1927.
Man befand sich zu dieser Zeit in der Endphase des Krieges und alle Beteiligten waren sich wohl klar darüber, dass noch Viele Opfer des Völkermordes werden würden. Nicht nur die Soldaten an der Front, sondern auch die Bürger in der Heimat hatten Opfer zu bringen und Entbehrungen auf sich zu nehmen. Der Luftterror forderte auch in unserem Heimatort Opfer. Als die feindlichen Truppen immer näher an die Grenzen Deutschlands rückten, und Jugendliche und ältere Männer als letzte Reserve zum Volkssturm geholt wurden, sammelte die NSDAP bei den Schützen die Uniformröcke ein, um den Volkssturm uniformieren zu können. Als der Krieg beendet war und die Besatzungsmächte in Deutschland zu sagen hatten, war einer ihrer Maßnahmen das Verbot jeglicher Vereinsbildung. Bei dem Einmarsch der amerikanischen Truppen in Delrath wurde von diesen bei Hausdurchsuchungen Vieles mitgenommen. Im Hause des Schützenkönigs Meuter nahmen sie unter anderem die Königskette mit. Ebenso verschwanden die Böller, sogenannte „Katzenköpfe“. Die Nachkriegszeit, die entbehrungsreicher als die Kriegszeit war, ließ erste Aktivitäten in Richtung Neubelebung des Vereins zum Abhalten eines Heimatfestes erkennen. Da das Verbot der Vereinsbildung von der Militärregierung streng überwacht wurde, waren alle Anstrengungen vergebens. Einige Mitglieder, die sich als Kleintierzüchter betätigten, taten sich 1946 zusammen und ermittelten durch Hahneköppen einen Hahnekönig. Ein Karussell und eine Losbude waren der kleine Rummelplatz, der den Charakter einer Kirmes andeutete. Im Saal bei Schlüter war Tanz und auch die Krönung. 1946 hieß der Hahnekönig Johann Grün, in Delrath bekannt als „Grüns Ernst“.

1947 wurde ebenso verfahren. Auf dem Schulhof (heutiger Spielplatz der Kindertagesstätte „Villa Bunte Wolke“ an der Gabrielstraße) wurde das Karrenrad mit der Leiter aufgestellt. Den Kopf des Königshahnes trennte August Kollenbroich vom Rumpf, und wurde damit Hahnekönig 1947. Diese beiden Hahnekönige wurden nach dem Wiederaufleben des Schützenvereins als Könige des Vereins anerkannt und erhielten einen Platz auf der Königskette. Im März 1948 war es dann soweit, dass mit Genehmigung der Militärregierung die Schützenvereine ihre Tätigkeit wieder aufnehmen durften. Peter Klasen, Bernhard Meuter, Georg Dappen, Fritz Hübinger und Peter Stammen luden zum 7. März 1948 die alten Mitglieder des Vereins und alle interessierten Bürger zu einer Versammlung in die Gaststätte Linnartz ein. Wie aus dem Protokollbuch zu entnehmen ist, erschienen neben 42 ehemaligen Mitgliedern auch interessierte Bürger. Fritz Hübinger eröffnete die Versammlung und gab den Anwesenden bekannt, dass das Verbot der Vereinsgründung durch die Militärregierung aufgehoben sei; es stünde somit einer Weiterführung des Schützenvereins in Delrath nichts mehr im Wege. Einstimmig war der Beschluss der Versammlung, den Schützenverein in der alten Form wieder ins Leben zu rufen. Daraufhin übernahm Peter Klasen den Vorsitz, und leitete die nötige Vorstandswahl. Sämtliche Vorstandsmitglieder wurden einstimmig gewählt und nahmen die Wahl an. Es waren folgende Herren: 1. Vorsitzender Fritz Hübinger, 2. Vorsitzender Wilhelm Brauers, 1. Kassierer Bernhard Meuter, 2. Kassierer Georg Dappen, 1. Beisitzer Peter Stammen, 2. Beisitzer Johann Olpen. Die Posten des 1. und 2. Schriftführers konnten nicht besetzt werden. Fritz Hübinger übernahm kommissarisch bis zur nächsten Versammlung diese Ämter. Regimentsoberst wurde der bis zum Ausbruch des Krieges als Grenadiermajor tätige Peter Klasen. Erfreulich war an diesem Tage, dass sich ca. 35 neue Mitglieder anmeldeten. Herbert Kopenhagen meldete einen neuen Jägerzug mit dem Namen „Edelweiß“ an. Der Vorstand wurde von der Versammlung beauftragt, das Schützenfest vorzubereiten. Auf der ersten Generalversammlung im Juli 1948 wurde die Vereinssatzung verlesen und genehmigt. Die Mitgliedsbeiträge wurden auf 4 DM für Mitglieder einschließlich Damenkarte und 3 DM für Jugendliche festgesetzt. Wieder meldeten sich 20 neue Mitglieder. Hans Giesen wurde zum 1. Schriftführer und August Schmitz zum 2. Schriftführer gewählt. Das Schützenfest fand in altgewohnter Weise am ersten Sonntag im September statt. Die Beschaffung von Uniformen war zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich. So marschierte das Regiment in Zivilkleidung. An der Zinkhütte hatte sich ein neuer Grenadierzug gegründet, dessen Zugführer war Michael Zaum. Eine Absprache zwischen dem Oberst und Michael Zaum besagte, dass man nicht mit dem ganzen Regiment zur Zinkhütte ziehe, es sei denn, der König wohne dort. Die neu geschaffene Königskette, die wie die alte von der Firma Bloemacher in Neuss angefertigt wurde, konnte bei der Krönung am Dienstagabend dem Hahnekönig Robert Bosbach überreicht werden. Die neue Kette hat auf der Mittelplakette eine Gravierung, welche die Neugründer des Vereins nachweist. Eine andere Gravur besagt, dass die erste Kette 1945 von amerikanischen Soldaten entwendet wurde. Der Leser wundert sich sicherlich über den Titel Hahnekönig bei einem Schützenverein. Die Militärregierung hatte zwar das Vereinsleben wieder gestattet, aber nicht das Schießen. Man übernahm deshalb das Hahneköppen zur Ermittlung des Königs. Die Bilanz des ersten Schützenfestes nach dem Krieg war erfreulich. Es war ein schönes Volksfest in alter Tradition und was wichtig war, die Kasse stimmte. Im Jahr 1949 gab es eine Änderung innerhalb des Vorstandes. Der 2. Schriftführer August Schmitz legte wegen beruflicher Überlastung sein Amt nieder. Durch die Versammlung wurde Willi Wünsch an seine Stelle gewählt. Es wurde eine Sterbekasse eingeführt. Jedes Mitglied zahlte beim Ableben eines Schützenkameraden 0,50 DM in diese Kasse. Davon wurde zum Begräbnis der Kranz und die Musikkapelle bezahlt. Zum Schützenfest 1949 zog das Regiment erstmals wieder in Uniformen durch den Ort. Ein Sappeurzug, drei Grenadierzüge, ein Zug Schill’sche Offiziere und acht Jägerzüge bildeten das von Oberst Klasen geführte Regiment. Grenadiermajor war Peter Stammen, Jägermajor war Wilhelm Weber. Wie im Vorjahr musste auch dieses Mal der König durch Hahneköppen ermittelt werden. König wurde der spätere Ehrenpräsident Georg Dappen. Hier soll eine Begebenheit aufgezeichnet werden, die Schützenkameradschaft und Treue widerspiegelt. Es war Montagnachmittag während des Schützenfestes 1949. Die Schützen versammelten sich am Bahnhof zum Abmarsch zur Zinkhütte, um dort die Nachmittagsparade abzuhalten. Da wurde bekannt, dass der Schützenbruder Johann Cremer, der immer noch in russischer Kriegsgefangenschaft war, mit dem Heimkehrerzug am Nachmittag erwartet wurde. Spontan wurde der Abmarsch verschoben. Schützen und Musikkapelle begaben sich auf den Bahnsteig und warteten auf den Zug, der ihren Kameraden aus der Gefangenschaft zurückbringen sollte. Als Johann Cremer dann dem Zug entstieg, war er ob dieses Empfanges überwältigt, so dass er eine Weile brauchte, bis er seiner Rührung Herr wurde. Zunächst begab man sich in die Bahnhofsgaststätte, um einen Willkommenstrunk zu nehmen. Danach wurde Johann Cremer mit seinen Angehörigen in die Schützenformation genommen und mit Musik durch den Ort, wo er von vielen Bewohnern stürmisch begrüßt wurde, zu seiner Wohnung an der Zinkhütte geleitet. Das Jahr 1950 wurde vom damaligen Vorstand zum Jubiläumsjahr erklärt. Wenn man nachrechnet, muss man feststellen, dass hier ein Irrtum vorlag. Man feierte zwar das 25. Schützenfest, wenn man die Kriegsjahre hinzuzählt, aber der Verein bestand erst 24 Jahre. Die Situation in den zur Verfügung stehenden Sälen zwang zu einer anderen Lösung. So hat man, auch im Hinblick auf das Jubiläumsfest, beschlossen, ab sofort die Schützenfeste wieder in Zelten abzuhalten. Das Zelt für 1950 stellte die Firma Peter Barrawasser aus Vanikum. Den Ausschank übernahmen der Delrather Wirt Ferdinand Schlüter und der Vereinswirt Heinrich Schmitz (ehemaliger Wirt der Bahnhofsgaststätte). Letzterer war ein großer Freund und Gönner des Schützenvereins. Im Protokollbuch kann man wieder interessante Begebenheiten nachlesen. So konnte beim Oberstehrenabend am 22. Juli 1950 das langjährige Vorstandsmitglied Anton van Houtte, der einige Tage vorher aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war, recht stürmisch begrüßt werden. Der Vorsitzende Fritz Hübinger konnte den Mitgliedern mitteilen, dass in diesem Jahr wieder nach Schützentradition der König durch Abschießen des Königsvogels ermittelt werden konnte. Man entschloss sich, mit Kaliber 4,5 mm zu schießen; der Vogel wurde dem Kaliber entsprechend leicht gebaut. Königsbewerber mussten 21 Jahre alt, das heißt volljährig, und mindestens ein Jahr aktives Mitglied sein. Es war auch nicht mehr möglich, einen anderen für sich schießen zu lassen. Dieses war einstimmiger Versammlungsbeschluss. Auch durften die Chargierten, aber nur im Festzug, wieder Degen tragen. Im Zelt durfte auf keinen Fall der Degen umgeschnallt bleiben. Das im Jahre 1949 nach dem Schützenfest gegründete und am 15. Oktober 1949 vom Artillerie-Major Hermann Teusch im Verein angemeldete Artillerie-Corps konnte schon am Schützenfestsonntag bei der heiligen Messe seine Standarte weihen. Ebenfalls 1949 gegründet, aber erst 1950 dabei waren die Blauen Husaren, die in diesem Jahr als Rote Husaren mitmachten. Das „Jubiläumsfest“ aus Anlass des 25. Schützenfestes war Pressemeldungen der NGZ zufolge ein gut organisiertes, schönes Heimatfest. Die Delrather Bürger hatten durch reichlichen Fahnen- und Girlandenschmuck den Ort festlich gestaltet. Oberst Klasen führte ein wiederum größeres Regiment in gewohnt sauberer Ordnung durch die Straßen. Im Fackelzug am Samstagabend wurden zwei Großfackeln, die den Berichten zufolge prächtig gebaut waren, vom 4. Jägerzug und vom Zug Zinkhütte mitgeführt. Der Sonntagmorgen sah bei der Jubilarehrung nicht weniger als 34 Schützen als 25jährige Jubilare auf der Bühne. Der 1. Vorsitzende Fritz Hübinger fand Worte der Dankbarkeit für diese Treue zum Verein. Das von vielen Dorfbewohnern mitverfolgte Königsschießen am Festzelt in der Nähe des Bahnhofs sah als neuen Schützenkönig Konrad Derichs. Das Fest klang am Dienstagabend mit der traditionellen Königskrönung zu aller Zufriedenheit aus. Die nach dem Schützenfest 1950 anstehenden Vorstandswahlen brachten einige Veränderungen. So wurde mit einem einstimmigen Ergebnis Georg Dappen zum 1. Vorsitzenden gewählt. Mit der Wahl dieses Mannes begann für ihn eine 22jährige, ununterbrochene Amtszeit als 1. Vorsitzender. Für Delrath wurde der St. Hubertus Bürgerschützenverein und Georg Dappen ein unzertrennlicher Begriff. 2. Vorsitzender wurde, ebenfalls einstimmig, Wilhelm Deutzmann. Der 1. Kassierer Bernhard Meuter wie der 2. Kassierer Mathias Krämer wurden im Amt bestätigt. Zum 1. Schriftführer wählte die Versammlung Toni Engels und zum 2. Schriftführer Willi Wünsch. Beisitzer wurden Lorenz Thuir und Josef Faßbender. Die erste Amtshandlung des neu gewählten 1. Vorsitzenden war, die Vorstandswahlen von jährlicher auf dreijährige Folge zu verlängern. Dieses wurde von der Versammlung begrüßt und einstimmig beschlossen. Nach etwa sechsmonatiger Tätigkeit als 2. Schriftführer verstarb Willi Wünsch. Für ihn wurde Hauptlehrer Anton van Houtte in den Vorstand gewählt.

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